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Katholische Studierende Jugend Diözese Trier

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7.8.2008
Ein Abenteuer um den See


Ein Auszug aus dem Fahrtenbuch über das besondere Erlebnis, in der schwedischen Natur laufen zu gehen
Die Idee war wohl an einem der letzten Abende, mit Blick auf unseren wunderbaren See, welcher des Abends rot von der untergehenden Sonne erleuchtet wird, geboren worden. Ja, dieser See hatte es uns angetan, die Zelte direkt am Ufer aufgeschlagen, vor uns der kleine Sandstrand, dessen warmer Sand mittags zum Sonnen einlud. Besagter Strand war auch der Platz an dem wir Abends das knisternde, wärmende Lagerfeuer entzündeten um gemeinsam zu singen oder einfach nur dazusitzen und die Stern zu schauen. Das sind für mich Ferien, Zeit zur Entspannung. Und während manche Leute im Laufen nur sinnloses Rumgehetze sehen, finden andere wiederum genau in dieser, schon seit der Antike ausgeübten, Disziplin ihre Entspannung. Und so kam Omar und mir (Simon) die, im Nachhinein vielleicht etwas tollkühne Idee, eben diesen See, an dem unsere Zelte lagen zu umrunden. Gedacht, gesagt, getan, setzten wir am darauf folgenden Morgen spontan die Idee in die Tat um. Zu spontan möchte vielleicht einer sagen, doch wir, jung, dynamisch, vor Energie strotzend, und –vor allem- optimistisch, wollten von Planung dieses größeren Unterfangens, selbst von einem kurzen Blick in die Karte, welcher schon viel Aufschluss gegeben hätte, nichts hören und brachen so gegen 10 Uhr morgens auf. Hatte uns die Schönheit der smaländischen Landschaft schon seit längerem in ihren Bann gezogen, so wurden wir nun von dieser vollkommenen Prächtigkeit quasi umgehauen. Doch schnell mussten wir feststellen, dass kein Fußgängerrundweg um den See existiert, so dass wir unsere Kreise ausweiten mussten und nicht auf direktestem Wege um den See kamen, da das direkte Ufer meistens bewachsen, oder mooriges Gebiet mit Schielf war. Zunächst bestimmten kleine, asphaltierte Straßen, an denen der Zahn der Zeit schon in beachtlichem Maße genagt hatte, umgeben von abwechslungsreicher Waldlandschaft, unser Bild. Schließlich gelangten wir, nachdem wir ein kleines Dorf passiert hatten an einen wunderschönen Uferabschnitt des Sees, an dem sich Hunderte Wildgänse gesammelt hatten, die nun ins Sonnenlicht über das glitzernde Wasser mit viel Geschnatter aufflogen. Wer läuft sieht mehr vom Leben. Doch man muss auch die Muße haben, anzuhalten, zu verschnaufen und zu genießen. Mit dieser Einstellung im Kopf und knapp einer Stunde Laufzeit in den Beinen, stiegen wir auf einen Aussichtsturm, der dort, am Rande eines unpassierbaren, moorigen Naturschutzgebietes auf einer Landzunge aufgebaut war. Wir stiegen hoch, staunten und blieben. Blieben lange, ließen die Zeit an uns vorüberziehen. Überwältigt von dem uns gebotenen Ausblick und lauschten der Natur. Ein tolles Gefühl, das uns auch noch die nächsten Stunden begleiten sollte: Nichts zu hören außer die Geräusche der Natur, Geplätscher nach Fliegen schnappender Fische und dem fernen Geschnatter der Gänse, die sich nun wieder weitgehend beruhigt hatten. So ließen wir uns dahintreiben, zuerst nur in unseren Gedanken auf dem Turm, dann auch physisch, denn wir konnten dem einladenden See nicht widerstehen. Nachdem die Füße wieder getrocknet und die Schuhe noch mal geschnürt, überkam uns Ratlosigkeit wie wir denn unseren Weg weiter fortsetzen könnten, denn das riesige moorige Gebiet zu unserer Rechten musste überwunden werden. Da die Möglichkeit des direkten Weges nicht gegeben war, mussten wir nach Alternativen suchen, und kletterten in schier unerschöpflichem Optimismus über Zäune, liefen über Weiden wo wir uns weder von der zunehmenden Anzahl Mücken noch von nervigen Brenneseln aufhalten ließen, sahen mehrere Blindschleichen und begegneten auf einer Koppel aggressiven Ponys, sodass wir schnell das Weite suchten, in dem wir über den Begrenzungszaun in den daran anfolgenden Wald sprangen. Da wir nach unserer „Flucht“ von der Koppel zunächst kein erschlossenes Gebiet, also einen befestigten Weg fanden, ging es nun über Stock uns Stein, und das, im wahrsten Sinne des Wortes. An Lauftempo war nun nicht mehr zu denken, wir kletterten über große Felsbrocken, übersprangen morsche Baumstämme und suchten uns unseren Weg durch das Gestrüpp. Hätten wir auf unserer Tour einen Wildlebenden Elch gesehen, dann wohl hier. Der Kraft schnell entraubt, kämpften wir uns unseren Weg durch das bewachsene Land, ehe wir schließlich zuerst auf eine Scheune, dann auf einen richtigen Weg stießen und so unseren Lauf fortsetzen konnten. Ein Traktorfahrer auf selbigem Weg war nach 2 ½ Stunden der erste (!) Mensch der uns entgegen kam. Es sollte auch der Einzige bleiben. Mit jedem gelaufenen Meter entfernten wir uns mittlerweile weiter vom See, da uns keine anderen Weg, die unserem Orientierungsgefühl eher entsprochen hätten, gegeben waren und wir mittlerweile aus der Erfahrung gelernt hatten und nun nur noch befestigte Wege nutzen wollten.

Mittlerweile 13,00 Uhr , knallte uns die Mittagssonne erbarmungslos auf Kopf & Körper, ihr waren wir nun schutzlos ausgesetzt, da wir den Wald verlassen hatten und sich unser Weg auf einem schier endlosen Feldweg fortsetzte. Lediglich die Landschaft um uns herum änderte sich: Bestellte und abgeerntete Felder, kahle, einer Mondlandschaft ähnliche, gerodete Abschnitte, auf der lediglich noch ein, zwei Baumstämme standen, die schon vor langer Zeit vom Blitz getroffen schienen.

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Editor: Simon Ney
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