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Katholische Studierende Jugend Diözese Trier

2008  l  2007

 
7.8.2008
 

In dieser endlos weiten Landschaft begann sich in uns ein neues, eigenartiges, ungewohntes Gefühl breit zu machen. Ob angenehm oder unangenehm vermag ich nicht zu entscheiden: Das Gefühl der Einsamkeit, des Bewusstseins, dass sich wohl wirklich niemand in der Nähe aufhält, das Gefühl des Alleine seins in den unendlichen Weiten bis hin zu dem Gefühl des Ausgeliefert seins, so weit drin in der Natur, soweit weg, von dem wohl Bekannten und Vertrauten. Zudem sagte uns die Vernunft, dass wir bald dringend etwas trinken mussten, um in unserem Wasserhaushalt das durch Dehydration verlorene Wasser wieder auszugleichen. Doch außer dem gefühlt endlosen Weg vor- und hinter uns und der gnadenlosen Hitze gab es nichts. Unsere gewohnte Umgebung von zu Hause als Maßstab vor Augen, hatten wir auf Karte oder Handy verzichtet, was uns nun teuer zu stehen kam. Wie weiter ?

Uns wurde solangsam klar, dass wir uns wohl so weit vom See entfernt hatten und unserer geplante Umrundung in unrealistische Ferne gerückt war. Angeschlagen und resignierend setzten wir uns an einer Wegkreuzung auf den Boden. „Gestern stand ich kurz vor dem Abgrund, heute bin ich einen Schritt weiter“ ging mir die Aufschrift eines T-Shirts durch den Kopf. Ja, so ließ sich unsere momentane Situation wohl recht gut beschreiben. Enttäuscht sich eingestehen zu müssen, das gesetzte Ziel wohl verfehlt zu haben, unterwegs irgendwo im Nirgendwo, weitere Schritte ungewiss.

Nun bekam das ganze einen gewissen „Rollenspielcharakter“, im Nachhinein reflektierend frage ich mich, ob dies ein Versuch der gegenseitigen Ermutigung war, der Versuch den Spaß und die gute Stimmung in unserer ernüchternden Situation nicht zu verlieren. Es hat ja irgendwie geklappt.

Wir fanden ein Haus, unserer Hoffnung dort auf Menschen zu treffen wird nicht stattgegeben, aber wir suchten nach irgendetwas Brauchbarem für den Weg. Wir fanden unser erstes Avatar, ein Messer, das wir mitnahmen, kurz darauf einen mysteriösen Berg Kartoffeln, wo wir auch ein paar „für die Not“ einsteckten.

Ich liebe so Situationen“, habe ich noch im Ohr, als wir an einer weiteren Kreuzung nach einer „Reißleine“, einem Ausweg aus unserer Situation suchen, nachdem uns auch der vierte und letzte Arm der Kreuzung nicht weitergebracht hatte und uns zur Umkehr zwang. Normal gibt es in so einer Situation viele „Reißleinen“, man findet Passanten, von deren Handy man anrufen kann, sodass man von Leuten zu Hause, in diesem fall, dem Campingplatz, abgeholt werden könnte, oder man findet eine große Straße, auf der man von netten Menschen mitgenommen wird. Doch wir stehen hier. Ohne Handy, keine Spaziergänger, keine Bauern auf Traktoren, keine Häuser oder Höfe, keine große Straße in Sicht- oder Hörweite. Der Durst wird größer. 14 Uhr. Seit 4 Stunden sind wir schon unterwegs. „Wundern sich die Anderen schon, wo wir so lange bleiben, oder machen sie sich sogar schon Sorgen ?“ Wir beschließen den selben Weg zurückzugehen, den wir gekommen sind. Ernüchternd und deprimierend, aber die einzige Möglichkeit, die wir haben, das einzig vernünftige in unserer Situation. Diszipliniert, schnellen Schrittes und vorerst schweigen machen wir uns auf den Rückweg. Ich merke, wie angenehm auch schweigen sein kann. Zeit zum Nachdenken, Zeit, auch in sich selbst ruhig zu werden. Die kleinen Pausen wurden mit Bedacht gewählt, Omar konnte hier mit Fachwissen über Muskelregeneration glänzen. Wir sind müde besonders die Beine, trotzdem beißen wir die Zähne zusammen und gehen weiter. Unsere stoische Ruhe wird schlagartig von dionysischer Freude abgelöst, als wir einen Himbeerbusch voll saftiger, reifer Himbeeren finden. So gut hat mir noch nie eine Himbeere geschmeckt ! Nachdem der Busch leer und unser Bauch ein wenig voller, zogen wir weiter. Dies gab neue Kraft und Motivation den restlichen Weg zu bestreiten. Gegen 16 Uhr landen wir vollends in unserem Paradies, als wir auf unserem Weg nach weiteren Himbeerbüschen, süße Kirschen im Überfluss und schließlich auch noch Johannisbeeren finden. Von dem Johannisbeerstrauch konnte man dann auch schon das kleine, uns vertraute Dorf des Hinweges erblicken, welches wir schon 5 ½ Stunden davor durchlaufen haben. An einem besonders schönen Haus mit gelben Fensterläden klopften wir am Gartentor an, um uns ein Glas Wasser zu erbeten. Eine nette schwedische Oma, winkte uns freudig herein, wir erzählten ihr unsere Geschichte bei der sie auch recht interessiert zuhört, doch stellt sich bei der nachfolgenden Bitte unsererseits heraus, dass die liebe Dame wohl kein Englisch spricht. So muss ihr Enkel (?), um die 20, mit freiem, gebräuntem Oberkörper, bei dem die einzeln definierten Bauchmuskeln gut zu sehen sind, zur Hilfe kommen. Wie in der Werbung, kommt er erneut, nachdem wir ihm ebenfalls unsere Geschichte erzählt haben, mit einer Kanne Wasser aus dem Haus, dass wir ziemlich schnell trinken. Super, diese Szene hätte kein Werbefilmproduzent besser hinbekommen ! Im darauffolgenden Gespräch mit ihm stellt sich heraus, dass er der Traktorfahrer des Hinweges war, der an uns vorbeigefahren ist. Die Kanne war schnell geleert, wir verabschiedeten uns dankbar und machten uns auf, den letzten Teil des Weges, nun mit neuer Energie und Vorfreude auf eine Abkühlung im See, wenn wir wieder bei den Zelten sind, joggend zu bestreiten. Die Zeit verflog förmlich und gegen 17 Uhr liefen wir filmreif auf dem Campingplatz ein, wo Thomas uns schon mit Getränk entgegenlief, Danke, so einen tollen Empfang hatten wir uns im Leben nicht erhofft ! Wir stürzen uns in den erfrischenden See und sind glücklich. Glücklich nach einem Tag der Ruhe wieder im gewohnten Chaos zu sein !

 

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Editor: Simon Ney
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