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Katholische Studierende Jugend Diözese Trier

2008  l  2007

 
19.1.2008
Bericht über die NAWU 2008/2008

Zu Anfang dachten wir (das Team): Sind das nicht zu wenige Leute, wie wird sich die kleine Zahl auf die Crashwoche auswirken? Die Bedenken erwiesen sich jedoch als unbegründet, die „Wilde 13“ verschwor sich in dieser Woche zu einem „Haufen“. Aber gemach, alles schön der Reihe nach. Man konnte es ja schon beim Kennenlernwochenende ahnen, dass wir es hier mit einer besonders interessierten und motivierten Gruppe zu tun hatten. Klar von vorneherein: Alle wollen mit Kindern oder Jugendlichen arbeiten, egal ob in Koblenz Liebfrauen, Koblenz-Rübenach, in der KSJ Bendorf oder in irgendeinem Team der KSJ. Und klar war auch, dass man dafür einen guten Umgang mit Kindern und Jugendlichen lernen will, damit man ihnen gerecht werden kann und bei auftretenden Konflikten Lösungsvorschläge parat hat. Dass keine und keiner dabei Einzelkämpferin sein will und soll, sondern zu einem Team gehören und von Hauptamtlichen unterstützt werden will, kam ebenfalls zur Sprache. Die Crashwoche der KSJ ist von drei roten Fäden geprägt, die sich durchziehen und dabei verknüpfen: Pädagogik, Politik und Theologie – oder um es einfacher zu sagen: Der Blick auf die Situation von Kindern und Jugendlichen und die Überlegung, wie unsere Jugendarbeit sich ihnen als solidarisch erweisen kann, der Durchblick, dass unsere Welt von Interessen bestimmt und deshalb veränderbar ist und ein Einblick, wie die Bibel in uns die Hoffnung und die Kraft wach halten will, an einer neuen Welt mitzuarbeiten.

So wünschte sich die Gruppe für die Crashwoche, unter dem Stichwort „Politik“ das Verhältnis der Geschlechter genauer zu beleuchten, über Geschlechtergerechtigkeit gemeinsam neu nachzudenken und dabei ein bisschen Rhetorik zu üben.

Die Crashwoche: Das erzählt sich nicht so schnell! Jedenfalls begann alles mit dem/der „idealen Gruppenleiter/in“. Der Artikel „Die Kinderstadt“ lenkte danach den Blick darauf, dass Kinder allzu schnell in den Alltagsdruck der Eltern eingepasst werden und Jugendliche sich sehr früh dem hohen Erwartungsdruck von Schule und Berufsausbildung beugen müssen. Jugendarbeit, wie wir sie verstehen, kann dagegen Räume für Phantasie und Spiel eröffnen und dabei helfen, dass Jugendliche Fähigkeiten an sich entdecken, die im normalen Alltag unentdeckt oder unwichtig bleiben. Um Gruppengefüge, Rollen und Leitungsstile ging es dann und darum wie offene Kommunikation am besten gelingen kann. „Ich-Botschaften“ und „Rückmeldung“ waren hier die wichtigen Stichworte. Aber all das will ausprobiert werden; deshalb bestand die nächste Aufgabe darin, mit dem neu Erfahrenen im Kopf Alltagskonflikte zu lösen. Die Versuche, Konflikte zunächst intern, mit guter Moderation und im gegenseitigen Ernstnehmen zu lösen, sind hochpolitisch – das zeigen viele Verhandlungsstrategien, die eher im Verborgenen Erfolge erzielen als im Licht der Weltöffentlichkeit.

Ein bisschen Mut erforderte es dann schon, eine eigene kleine Rede nach den Rhetorikregeln aufzubauen zu Themen wie: „Ich finde, dass der Unterschied zwischen Mädchen und Jungen nicht so wichtig genommen werden sollte“ oder „Unter Jungen gibt es keinen Zickenterror!“ – vor allem dann, wenn das Thema gerade nicht der eigenen Meinung entsprach.

Jedenfalls ergaben die Reden eine interessante Gesprächsrunde über die jeweiligen Vorurteile, so dass es ganz gut war, ein bisschen feministische Theorie vorgesetzt zu bekommen. Die wichtigste Erkenntnis hier: Dass es am vernünftigsten ist, zwischen „sex“ und „gender“ zu unterscheiden, dem biologischen und dem sozialen Geschlecht. Dass es erkennbare Geschlechtsunterschiede gibt, ist das eine – etwas ganz anderes ist es aber, welche gesellschaftliche Bedeutung man ihnen gibt. Sobald man die beiden Sichtweisen trennt, ergibt sich ein Freiraum: Wir nennen ihn „das Spiel der Geschlechter“. Wenn jede und jeder die Möglichkeiten sieht, sich fern von vorgeprägten Rollen zu verhalten, ergeben sich Chancen, Geschlechtergerechtigkeit zu praktizieren. Als Gruppenleiter und Gruppenleiterinnen wollen wir darauf achten, dass Kinder an uns diese Freiheit ablesen können.

Auch die Bibel ermutigt dazu, festgelegte Kategorien zu verlassen: Die älteste christliche Taufformel „In Christus gilt nicht mehr Jude noch Grieche, Sklave noch Freier, männlich noch weiblich.“ (Gal 3,26) räumt mit den zentralen Trennlinien zwischen Menschen auf, die auch heute noch Geltung beanspruchen. Weitere biblische Texte, die zu einem gerechten und von Liebe geprägten Verhältnis der Geschlechter anhalten und es in den Dienst am Reich Gottes stellen, sind 1 Kor 6 und Mk 10 (nachlesen – aber sie erschließen sich tatsächlich erst bei einer vernünftigen Übersetzung und im Kontext!).

Das neue und extra für diese NAWU erfundene Planspiel ließ alle spüren, wie sich Diskriminierung und Ausgrenzung auswirken: Ob Ausländer, ob Arbeitslose oder Chef des Arbeitsamtes – die Situation war erdrückend und brachte die seltsamsten Reaktionen hervor, von Erpressung bis offenem Widerstand.

Selbst das Thema „Rechte und Pflichten“ traf bei der Gruppe auf großes Interesse, der neue Akzent „Kindeswohlgefährdung“ soll unsere Wahrnehmung für Kinder und Jugendliche sensibilisieren.

Den Gottesdienst feierten wir in der zur Zeit in der KSJ üblich gewordenen Form: Als Abendessen am Tisch. Dieses Mal allerdings begann es mit der „Tischordnung der Antike“, die scharf trennte zwischen Reich und Arm und den Bettlern am unteren Ende der Tafel nur trockenes Brot zukommen ließ. Damit räumt die Tischordnung Jesu auf, nach der Platz ist für alle ohne Unterschied; sie baut damit an einer neuen Gesellschaftsordnung.

Da es zur NAWU gehört, die neu erworbenen Kenntnisse in einem Projekt zu erproben, ging es am letzten Nachmittag darum, Ideen dafür zusammen zu tragen: Eine neue Gruppe gründen, eine Aktion an der Schule zu planen, einen Kinderspielenachmittag zu organisieren….Für diese Ideen stehen die Teamerinnen der NAWU als Beraterinnen zur Verfügung. Den Abschluss dieser tollen Woche bildete das „Kreadieschen“, jene sagenumwobene Feier, bei der sich Gruppen gegenseitig bekochen und mit schmackhaft zubereiteten Speisen überraschen. Als Höhepunkt wurde dann endlich das Geheimnis gelüftet, das die ganze Woche über der Gruppe lag: Wer ist seit 6 Tagen mein geheimer Freund/meine geheime Freundin? Nicht so einfach zu raten, denn alle waren nett zueinander!

Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass es jeden Mittag gutes selbst gekochtes Essen gab, jede Nacht Mitternachtsspitzen und tolle selbst gemachte Musik. Jetzt kommt wie gesagt die Projektzeit und dann treffen wir uns alle wieder, entweder im März oder im April, um zu sehen, was es aus den Projekten zu besprechen gibt.

Aber die meisten werden vermutlich zur DIKO kommen, denn auch da gibt es allerhand zu erfahren und mit zu entscheiden….

Editor: Jutta Lehnert
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