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Katholische Studierende Jugend Diözese Trier

2008  l  2007

Nikolaus 2009 Bildungsstreik

 

Noch ist nicht wirklich Winterzeit
und trotzdem ist es schon so weit,
dass man Bischof Nikolaus wandern sieht,
wie er von Haus zu Haus jetzt zieht.
Er ist ganz einfach zu erkennen,
man kann die Dinge kurz benennen,
die aus ihm einen Bischof machen:
Stab, Mantel, Mitra, solche Sachen.
Doch ein Ding ist auch dabei,
das erkennt man einwandfrei.
Es ist sein Buch, außen aus Gold,
indem er über Dinge grollt,
die sich hier bei Euch begaben
und die ihm nicht gefallen haben.
Nikolaus, sage uns ganz klar:
Gab es auch Gutes in diesem Jahr?

 

Keine Angst, ich bin kein Miesepeter,
sehe auch Gutes, das weiß doch jeder.
Manchmal übe ich Kritik
und mache sie bei Euch publik.
Doch meistens lobe ich die Leute,
und sage, was mich besonders freute.
Zu Euch komme ich extra gern,
mein Weg ist weit, ich komm von fern,
Für Euch ist mir das nicht zuviel,
Euch zu ermutigen, das ist mein Ziel.

 

Ich sag nur ein Wörtchen: Bildungsstreik,
das ist der erste Fingerzeig.
In Mainz, in Koblenz und in Trier,
in vielen Orten, das lob ich mir,
gab es Aktionen, Proteste, Radau,
Hörsaalbesetzungen, und ich weiß es genau,
dass die Annette Schavan schon Angst bekam
und Doris Ahnen wurde endlich aufmerksam.
Denn so wie es ist, so kann es nicht bleiben,
Bologna wird Euch die Bildung austreiben,
oder das, was ich unter Bildung verstehe,
ich teile Eure Kritik, das werdet Ihr sehen.
Ich mag nicht, was sich seit Bologna zusammenbraut
und wie man Euch die Bildung klaut.
Vor ein paar Jahren begann der Skandal:
Wir machen die Bildung international
vergleichbar, das klang ideal,
doch was dabei rauskam, das war fatal.
Wer wirklich hinter dieser Idee steckt,
das habt Ihr in Koblenz ja auch schon entdeckt:
Es ist die Wirtschaft, die sich globalisiert
und für ihre Interessen die Unis schmiert.
Sie braucht den Bildungseinheitsbrei,
von Kreativität und Querdenken völlig frei,
in Anpassung und strebsam soll Ihr lernen,
Euch von der Masse nicht entfernen
durch kritisches Fragen und Selberdenken
wer könnte dann Eure Wünsche noch lenken?
Als Futter für die Großkonzerne,
so hätten Euch die Bosse gerne.
Austauschbar von Land zu Land,
dabei stört jeder Widerstand.

 

So hat man Bologna dann entschieden,
doch damit seid Ihr nicht zufrieden.
Mit Credit-points und platten Tests,
wobei man euch nicht lernen lässt,
sondern euch vollstopft wie ne Gans,
keiner ruft mit Spaß: Ich kanns!
Sondern kotzt sein Wissen raus
Das ist kein Studium, das ist Graus!
Bulimie-Lernen ist dafür das passende Wort,
ich las es auf Transparenten an so manchem Ort.
Lernen – das ist Forschen und Lesen,
so ist es viele Jahrhunderte gewesen,
mit Muße und Spaß am Diskutieren,
nur dann kann man Erkenntnisse zusammenführen.

 

Die Hörsäle und Seminarien sind auch zu voll,
kein Mensch weiß, wie das gehen soll,
wenn eng an eng man sogar auf Treppen sitzt.
Die persönliche Beratung ist ein Witz,
denn welcher Prof hat dafür Zeit?
Er kommt ja eben grad so weit,
ein Punktesystem für seine Tests zu erfinden,
die Berechnungen lassen sich kaum ergründen.
Grundwertung und Gewichtungsfaktoren
klingen Euch übel in den Ohren,
Will man die Höchstleistung nicht verfehlen,
muss man Roh- und Minuspunkte zählen
und multiplizieren mit der Bewertungszahl,
das Ganze ist eine einzige Qual.
Zum Durchblick braucht man echt Energie,
woher, sagt es mir, holt Ihr die?

 

Multiple choice wird zur zentralen Methode,
Massenabfertigung ist längst schon in Mode.
Prüfungsfragen kommen ohne Sinn daher,
Antwortvorschläge tangieren nur peripher
den Prüfungsstoff und was man weiß,
da hilft kein Lernen mit noch so viel Fleiß.
So scheint von vorneherein festzustehen:
Mindestens ein Drittel muss sowieso gehen,
ohne Abschluss mit Bachelor oder mit Master,
dieses System ist echt ein Desaster.

 

Was ihr statt Studium erfahrt,
das ist Schule der übelsten Art.
Statt Interesse an neuem Wissen zu wecken
muss jeder von Euch permanent checken,
was, wo, wieviel, wovon zum Abschluss gehört,
das macht nicht klug, das ist gestört.

 

Semesterferien gibt es keine mehr.
Keine Woche ist mehr leer
und von Referaten frei
oder was sonst noch zu schreiben sei.
Wer noch jobben muss, o Schreck,
dem bleibt glatt der Atem weg.
Oder die Eltern müssen ran,
was ja auch nicht jeder kann.
So las ich auf einem Demo-Plakat,
dass nur, wer reiche Eltern hat,
das Studium wird finanzieren können
Das heißt, soziale Schichten trennen
von Bildung, Studium und Berufsaussicht,
so etwas will der Nikolaus nicht!

 

Ich bin, so kennt man mich, der Armen Freund,
habe es mit ihnen immer gut gemeint,
Wie damals in Myra, meiner Bischofsstadt,
die so viele notleidende Menschen hat.
Von ihren Sorgen habe ich gehört,
die haben mich dann sehr verstört.
In meinen Legenden ist es nachzulesen,
was damals in Myra ist losgewesen.
Die Hungersnot wurde abgewendet,
die Angst der Familien war beendet,
das Geld spielte keine Rolle mehr,
das kam vom solidarischen Teilen her.
Geld trennt – das wussten schon die alten
Philosophen, und haben sich ihm stets enthalten.

 

Natürlich geht nichts ohne Geld,
auch wenn uns das gar nicht gefällt.
Man muss es nur mäßigen und zähmen,
und nicht als Einflussmittel nehmen,
sondern möglichst gerecht verteilen;
an dieser Lösung muss man feilen.
Jeder, der hier Steuern blecht,
fände es gewiss gerecht,
wenn mehr für Bildung übrigbleibt
und die Privaten so vertreibt.

 

Bildung ist öffentliches Interesse,
das darf der Staat niemals vergessen.

Kämpft gegen das Plattmachen und die Dummheit an,
dann bleibe ich Euch weiter zugetan.

Und so geht der Nikolaus
jedes Jahr von Haus zu Haus,
hat sein goldenes Buch dabei
denn da steht ja einwandfrei,
geschrieben, was ihm nicht gefällt
was er Euch dann vor Augen stellt.
Ohne Bischof Nikolaus
Sähe die Welt noch schlimmer aus.
Er lädt alle, ob groß, ob klein,
empfindsam  für Unrecht wie er zu sein.
Und weil Ihr das schon ganz gut macht,
hat er Euch etwas mitgebracht.

 

Gott sei mit Euch auf all Euren Wegen,
seinen Frieden, seinen Segen,
das wünscht allen hier im Haus
Euer alter Bischof Nikolaus.

Editor: Jutta Lehnert, Geistliche Leitung
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